Die richtige Fahrzeugauswahl

Bevor es an die Bestellung der Komponenten für den Umbau geht, sollte man sich zuvor auf ein Fahrzeug festlegen.

Grundsätzlich eignet sich jedes Fahrzeug für einen Umbau. Man sollte sich aber bewusst sein, dass man das Fahrzeug ggf. für die nächsten 10 Jahre fahren möchte bzw. muss. Es macht also Sinn, ein Fahrzeug zu kaufen, von dem man überzeugt ist. Unter Umständen ist es sogar notwendig, das Fahrzeug nach einer gewissen Zeit wieder zu verkaufen. Darum sollte es zumindest beim Kauf in einem optisch und technisch tadellosen gebrauchten Zustand sein. Rost ist ein No Go!

Hier sollte es also nicht auf ein paar Euro ankommen. 

Die Auswahl des Fahrzeuges hängt von folgenden Faktoren ab:

  • Gewicht und Zuladung 
    Das Leergewicht ist entscheidend für ein Elektrofahrzeug, da die verfügbare Energie für den Antrieb sehr begrenzt ist. Das Fahrzeug mit Verbrennungsmotor sollte nicht mehr als ca. 1300kg wiegen.  
    Nach DIN 70020 umfasst das Leergewicht für Fahrzeuge bis Juli 2003 das Fahrzeug mit vollem Tank und dem Fahrer mit 75kg. Für Fahrzeuge ab Juli 2003 wird aus dem vollen Tank ein zu 90% gefüllter Tank.

    Nehmen wir folgende Gewichte an:
    -> Verbrennungsmotor: 100kg
    -> voller Tank: 50kg
    -> Auspuffanlage: 10-20kg
    -> HV-Batterie: 200 – 400kg
    -> Elektromotor: 70 -100kg
    -> Personen: á 75kg

    Voraussetzung: Es sollen immer 3 Personen transportiert werden können.

    Rechenbeispiel 1:
    300kg Batterien + 70kg Elektromotor stehen einem Gewicht von ca. 100kg beim Verbrennungsmotor gegenüber.
    Es bleibt eine max. erforderliche Zuladung von 270kg + 3 Personen á 75kg. Somit ergibt sich eine erforderliche Zuladung von ca. 495kg

    Rechenbeispiel 2:
    200kg Batterien, 70kg Elektromotor, 100kg  Verbrennungsmotor
    Es bleibt eine max. erforderliche Zuladung von 170kg + 3 Personen á 75kg. Somit ergibt sich eine erforderliche Zuladung von ca. 395kg. 

    Das Gewicht des vollen Tanks und der Auspuffanlage haben wir nicht berücksichtigt, da die Anbauteile und die HV-Komponenten, wie Controller, DCDC-Wandler, HV-Kabel, etc. zusammen bis zu 50kg wiegen können.
    Diese Werte können natürlich je nach Fahrzeug, Motor- und Batteriegröße stark variieren!

  • Cw-Wert
    Mitentscheidend für die Reichweite ist der cw-Wert, dazu gibt es eine tolle Übersicht auf der Seite von Rüdiger Cortes zu finden: http://rc.opelgt.org/indexcw.php
    Dabei hat der cw-Wert, multipliziert mit der Querschnittsfläche, eine größere Aussagekraft als der reine cw-Wert. Beim Vergleich der cw-Werte sollte also immer der cw x F Wert herangezogen werden.


Frontantrieb oder Heckantrieb?

Die Frage ob beim Elektroauto ein Frontantrieb oder Heckantrieb gewählt werden soll, ist die gleiche wie beim Fahrzeug mit Verbrennungsmotor.

Der Unterschied ist jedoch, dass die Batterien oft hinten verbaut werden und die Vorderachse aufgrund des nun fehlenden Verbrennungsmotors entlastet wird, und somit der Grip nachlässt. Es sei denn man verlagert einen Teil der Batterien auch in den Motorraum, um das fehlende Gewicht des Verbrennungsmotors auszugleichen.

Beim Heckantrieb besteht die Möglichkeit, dass man das Getriebe entfernt und den Motor platzschonend im Bereich des Kardan-Tunnels verbauen kann. Generell haben die Hinterräder durch den Verbau der Batterien im Kofferraum einen guten Anpressdruck und somit relativ viel Grip. Ein Fahrzeug mit Heckantrieb ist aber oftmals schwerer, da meistens nur Fahrzeuge ab der Mittelklasse einen Heckantrieb besitzen.

Automatisches oder manuelles Getriebe?

Als Getriebe ist das manuelle Getriebe zu empfehlen. Schalten muss man dann bei einem Elektroantrieb in der Regel nur noch selten. Das manuelle Schaltgetriebe kann jedoch im Fahrzeug verbleiben und muss nicht ausgebaut werden, da der Elektromotor über einen Adapter direkt an das Getriebe montiert werden kann. Für den Fahrbetrieb reicht ein Gang aus, meistens der 2. oder der 3. Gang, je nach Übersetzung des Getriebes und der Stärke des Motors. Das Losfahren funktioniert dabei problemlos mit dem 2. bzw. 3. Gang. Ein Betätigen der Kupplung ist grundsätzlich nicht mehr notwendig, da auch beim Halten und beim Losfahren die Kupplung nicht betätigt werden muss. Beim manuellen Getriebe hat man jedoch weiterhin die Möglichkeit, bei schneller Fahrt in einen höheren Gang zu schalten, um eine höhere Endgeschwindigkeit zu erreichen, bzw. um Energie zu sparen.

Ein Fahrzeug mit einem automatischen Schaltgetriebe macht nur dann Sinn, wenn man das Getriebe komplett ausbaut und den Motor direkt an das Achsdifferential anbindet. Den Elektromotor direkt an das automatische Schaltgetriebe zu montieren ist nicht zu empfehlen, da zu viel Energie auf dem Weg zu den Rädern verloren geht, und ein automatisches Schalten mit einem Elektromotor nicht erforderlich ist. Zudem ist das Getriebe auf den Verbrennungsmotor abgestimmt, was dann bei dem Einsatz eines Elektromotors nicht mehr der Fall ist.

Stauraum


Der Stauraum ist ebenfalls ein wichtiges Kriterium bei der Fahrzeugauswahl. Generell ist es natürlich immer möglich, die Batterie und die elektrischen Komponenten irgendwo im Fahrzeug unter zu bringen. Möchte man jedoch möglichst viel von dem ursprünglichen Volumen im Fahrzeuginnenraum beibehalten, sollte man ein Fahrzeug auswählen, das z.B. eine große Reserveradmulde, einen doppelten Boden im Kofferraum oder viel Platz für die Zellen im Motorraum bietet.

Sollte das Fahrzeug keine Reserveradmulde besitzen, ist auf den Verlauf der Hinterachse zu achten. Unter Umständen verläuft eine starre Hinterachse bzw. Verbundlenkerachse direkt unter dem Kofferraum, was den „versteckten“ Einbau der Zellen erschwert.